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Leukämie

Akute lymphatische Leukämie (ALL) im Kindesalter: gibt es Stammzellen für die Erhaltung des leukämischen Prozesses?


Die Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit einer akuten lymphatischen Leukämie, abgekürzt als ALL bezeichnet, ist äusserst wirksam; achtzig Prozent aller Patienten werden
geheilt. Bei etwa einem Fünftel aller Patienten tritt jedoch ein Rückfall auf. Welche Mechanismen dafür verantwortlich sind, ist noch nicht bekannt. Ob es allenfalls leukämische, also bösartige, Stammzellen gibt, die eine Chemotherapie überleben und dann den Ursprung für den Rückfall der Krankheit darstellen, ist eine der brennendsten Fragen. Im Unterschied zu normalen blutbildenden Zellen im Knochenmark, können sich leukämische Zellen nicht zu spezialisierten Zellen weiterentwickeln. Sie sind nur noch fähig, sich durch Zellteilung laufend und ungehindert zu vermehren. Dieser Prozess führt dann zur Krankheit der ALL.


Eine Zellteilung ist ein streng regulierter Prozess der in ganz bestimmten Phasen abläuft. Durch Signale, die von aussen auf die Zelle einwirken, verlässt eine ruhende Zelle zuerst
einmal ihren Schlafzustand. Wenn weitere Signale sie stimulieren, beginnt sie mit der Vorbereitung der Zellteilung. Erst wenn diese Vorbereitung abgeschlossen ist, folgt der nächste Schritt. Auf dem Weg zur Verdoppelung erreicht die Zelle schliesslich einen ganz speziellen Kontrollpunkt. Wenn dieser Kontrollpunkt überschritten ist, besteht keine Möglichkeit mehr zur Rückkehr. Alle Signale die jetzt noch von aussen auf die Zelle einwirken, bleiben bis zum Abschluss der Zellteilung unberücksichtigt. Die Zelle muss sich teilen!


Trotz der vielen Gemeinsamkeiten in der Zellteilung leukämischer Zellen und normaler blutbildender Stammzellen, besteht an diesem Kontrollpunkt ein Unterschied. Die überwiegende Mehrzahl der Leukämiezellen hat diesen Punkt nämlich überschritten und muss sich teilen. ALL- Zellen können also nicht mehr zum Ruhezustand zurückkehren. Normale Stammzellen hingegen befinden sich noch vor diesem Punkt und können durch äussere Einflüsse wieder zum Ruhezustand bewegt werden.


Kinder und Jugendliche, die an einer ALL erkrankt sind, werden mit Medikamenten behandelt, die man als Zytostatika oder auch Chemotherapeutika bezeichnet. Die meisten Zytostatika, die für die Behandlung der ALL eingesetzt werden, können nur auf Zellen einwirken, die ihren Ruhezustand verlassen haben und sich auf dem Weg der Zellteilung befinden. Sie bewirken, dass die Zellteilung gestört oder unterbrochen wird oder dass bei der Zellteilung Fehler passieren, die von der Zelle nicht mehr repariert werden können. Die Einwirkung der Zytostatika führt schliesslich dazu, dass die leukämischen Zellen bei ihrer Teilung zu Grunde gehen.


Wenn sich nun unter den leukämischen Zellen ruhende ALL-Zellen befänden, die durch die Zytostatika nicht zerstört werden, könnten diese ruhenden ALL Zellen über Monate und Jahre überleben und erst zu einem späteren Zeitpunkt beginnen, sich wieder zu teilen. Dies wäre dann eine mögliche Erklärung dafür, dass einzelne Kinder mit Leukämie trotz einer
adaequaten Behandlung einen Rückfall erleiden.


Dieser Frage ist die Forschergruppe von Professor Hirt bei leukämischen Zellen von Kindern und Jugendlichen mit ALL nachgegangen. Er ist dabei auf wichtige Erkenntnisse  gestossen, die durch weitere Forschungsuntersuchungen ergänzt werden müssen, um die aufgeworfenen Fragen endgültig zu beantworten. Erst danach können sich die Forscher darüber Gedanken machen, mit welchen Mitteln versucht werden kann, auch die ruhenden, durch Zytostatika nicht erfassten Leukämiezellen zu vernichten.


Die Berner Stiftung für krebskranke Kinder und Jugendliche trägt mit dazu bei, dass diese wichtigen Fragen erforscht werden können und wir unserem Ziel näher rücken, alle Kinder
und Jugendlichen mit ALL von ihrer Krankheit heilen zu können.